Piet

Der liebenswerte Mischlingsrüde Piet wurde vermutlich im August 2014 geboren.

Piet kam als 7 Monate alter Junghund im März 2015 von befreundeten Tierschützern zu uns. Er wurde uns mit den Worten in die Arme gelegt: ”Bei dem müsst ihr mal schauen, mit dem stimmt was nicht”!

Zunächst fiel uns nur sein trippelnder Gang auf, der manchmal an ein tänzelndes Pony erinnert. Piets Gangbild war auch eher unkontrolliert, so fiel er beim Laufen einfach schon mal mittendrin um und hatte generell seine Beine und seinen Körper nicht richtig unter Kontrolle. Zudem war er ständig müde, traute sich aber nicht einzuschlafen und riss im letzten Moment vor dem Einschlafen immer wieder den Kopf hoch damit ihm die Augen nicht zufielen.

Nach den ersten Nächten war klar, dass mit Piet definitiv “etwas nicht stimmt”. Er hatte wilde Zuckungen, ruderte mit den Beinen, sprang im Schlaf einfach auf und fing an laut zu schreien. Das ging über die ganze Nacht so und wiederholte sich jede Nacht. Piet wurde bereits als Welpe bzw. Junghund in seinem ersten “Zuhause” leider über längere Zeit schwer misshandelt. Was wir am Anfang noch für schlimme Albträume aufgrund seines Traumas hielten, stellte sich nach einer Reihe von medizinischen Untersuchungen als sogenannte symptomatische Epilepsie heraus. Vermutlich verursacht durch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, dass er im Zuge früherer Misshandlungen erlitten hat. Gleichzeitig wurde bei Piet auch ein verschobener Atlaswirbel und eine verschobene Hüfte festgestellt und auch etliche andere Wirbel waren beeinträchtigt.

Armer Piet!

Dabei ist er ein total lustiger Kerl! Piet ist freundlich zu allen Menschen, hat jede Menge Charme und ist der Herzensbrecher der gesamten Hundenothilfe. Niemand kann ihm wiederstehen auch wenn er noch so viel Blödsinn macht (und darin ist er ziemlich gut ;)). Piet strahlt eine unglaubliche Lebensfreude aus, die einfach nur glücklich macht und ansteckend ist!

Piet wurde lange physiotherapeutisch behandelt und medikamentös eingestellt und erste Erfolge stellten sich schon sehr schnell ein. Schon direkt nachdem sein Atlaswirbel zum ersten Mal gerichtet wurde konnte man Piet ansehen, dass er seine Umwelt plötzlich ganz neu und wie mit anderen Augen wahrnehmen konnte.

Die starken epileptischen Anfälle, die Piet mehrfach in jeder Nacht und manchmal auch am Tag hatte, waren eine große Belastung für seinen noch so kleinen Hundekörper. Und natürlich auch für sein Pflegefrauchen.  Aber auch hier haben wir mit speziellen Medikamenten bisher gute Erfolge erzielt und Piets Anfälle reduzierten sich!

Wie bei Menschen mit Epilepsie ist es auch bei Hunden mit dieser Erkrankung wichtig, einen täglich möglichst gleichbleibenden Rhythmus zu haben und aufregende Veränderungen im Tagesablauf zu vermeiden. Piet reagiert auf jede kleine Veränderung mit enormen Stress und die Zahl seiner Anfälle steigt sofort an. Auch bei ganz langsamen, behutsamen Versuchen, ihn an ein neues Zuhause bei wirklich verständnisvollen Menschen heranzuführen, reagierte er sofort mit starken Anfällen und konnte langfristig kaum zur Ruhe kommen. Da dies natürlich für alle Beteiligten sehr belastend ist, kam eine langfristige erfolgreiche Vermittlung bisher nicht in Frage. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen,  Piet als Dauerpflegehund in seiner jetzigen Pflegestelle zu belassen und ihm weiteren Stress und die Belastung durch einen Umzug in ein anderes Zuhause zu ersparen. Piet lebt seit mittlerweile sechs Jahren in seiner Pflegestelle und ist bis auf 2-3 nächtliche  Anfälle pro Woche nahezu anfallsfrei. Am Glücklichsten ist er, wenn er auf “seinem” Stuhl im Garten in der Sonne liegt oder sich seinen Teddy um die Ohren schlackern kann.

Wir möchten nicht, dass Piet damit einfach von der Bildfläche verschwindet! Wir werden versuchen zwischendurch von ihm zu berichten und halten Sie gerne auf dem Laufenden.

Update 08.02.2019

Leider hat sich Piets Zustand über die letzte Zeit verschlechtert. Die Anzahl seiner epileptischen Anfälle nimmt im Moment ständig weiter zu und die Anfälle für sich genommen werden immer “merkwürdiger”. Er hat täglich mehrere davon und da sie nur auftreten wenn er döst oder schläft, kommen sowohl Piet als auch sein Pflegefrauchen kaum noch zum Schlafen. Die Medikamente, mit denen er bislang gut eingestellt war, scheinen aktuell nicht mehr zu helfen.

Um herauszufinden, ob und wie wir Piet helfen können, haben wir ihn am 05.02.2019 in der Neurologie-Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover vorgestellt.

Piet war zwar ziemlich aufgeregt, hat aber alle Untersuchungen prima mitgemacht und dabei mit seinem speziellen Charme und seiner gutgelaunten Art direkt die Klinikbelegschaft für sich eingenommen. 😉

Bei den Untersuchungen ergab sich schon ein Verdacht, Genaueres wissen die Ärzte und wir allerdings erst nach einem MRT. Dieses sollte eigentlich heute erfolgen, musste aber wegen mehreren Notfall-Patienten in der Klinik nach hinten verschoben werden und findet nun vermutlich am kommenden Montag statt.

Wir bitten um gedrückte Daumen für Piet und halten Sie natürlich weiter auf dem Laufenden. Außderdem freuen wir uns sehr über jeden Cent, mit dem Sie uns bei den Tierarztkosten unterstützen. Unsere Bankverbindung finden Sie hier –> Spenden.

Update 14.02.2019

Unser kleiner Piet ist wieder zuhause. 🙂

Die Untersuchungen und Beobachtungen in der Vet-Uniklinik Hannover haben ergeben, dass Piet wohl an einer so genannten REM-Schlaf-Verhaltensstörung leidet.

In den REM-Schlafphasen (die alle Säugetiere mehrmals pro Nacht im Schlaf durchleben) laufen kognitive Prozesse im Gehirn ab, die z.B. mit der Speicherung von Erinnerungen, dem “Sortieren” von Gedächtnisinhalten und dem Lernen zu tun haben. In dieser Schlafphase wird daher oft intensiv geträumt. Der Begriff REM-Schlaf ist abgeleitet von der Tatsache, dass wir im Traum die Augen unwillkürlich schnell und ruckartig bewegen (englisch: Rapid Eye Movement = REM). Abgesehen von diesen ruckartigen, schnellen Augenbewegungen fehlt im REM-Schlaf normalerweise jegliche Muskelaktivität, das heißt, der Körper ist sozusagen gelähmt während eines Traumes.

Piet hat in seiner Welpen- und Junghundzeit schwere Misshandlungen über sich ergehen lassen müssen, darunter leider auch eine schwere Kopfverletzung. Auf dem MRT in der Uniklinik konnte diese alte Verletzung am Schädel gut ausgemacht werden. Durch diese Verletzung wurde damals anscheinend ein Teil von Piets Gehirn beschädigt, der während eines Traums die Muskeln im Körper ruhig stellt.
Dadurch ist die sonst im REM-Schlaf blockierte Muskelaktivität bei ihm teilweise vorhanden und Piets Körper kann seine Träume teilweise in Aktionen umsetzen. Da Piet anscheinend sehr intensiv träumt, bewegt er sich zum Teil auch sehr heftig dabei. Er wehrt sich im Traum oder spielt, er schreit, er knurrt, er schwimmt, er läuft um zu fliehen oder im Wettrennen mit einem Hundekumpel….. und das in einem Rahmen, der weit über das normale “putzige” Hundeträumen hinausgeht. So erklären sich die teils sehr skurilen Anfälle, die er nahezu immer hat, wenn er schläft.
Piet wird aktuell auf ein neues Medikament eingestellt während ein anderes ausgeschlichen wird. Das Medikament ist Mittel der Wahl bei dieser Art von Schlafstörung und die letzten beiden Nächte sahen bisher ganz gut aus, ein wenig scheinen die Tabletten wohl schon zu wirken.

Piet leidet durch seine Aufwuchsbedingungen vermutlich seit Welpentagen am Deprivationssyndrom. Bislang war ihm (durch die Anfälle und dem daraus resultierenden Schlafmangel) oft schnell alles viel zu viel, die Folge daraus waren viele neue nächtliche Anfälle. Mit dem neuen Medikament und durchgeschlafenen Nächten können wir hoffentlich nun auch dieses Problem wieder besser angehen und wieder regelmäßig mit ihm Altagsdinge trainieren, damit sie sich festigen. Dabei ist wichtig, dass das Training und seine Schnüffelspaziergänge stattfinden, ohne dass die anderen Hunde seiner Pflegestelle mit dabei sind, weil es sonst für Piet kaum möglich ist, sich zu konzentrieren. Außerdem braucht Piet einen möglichst verlässlichen, geregelten Tagesablauf. Das ist im Hundenothilfe-Alltagstrubel manchmal gar nicht so leicht umzusetzen.
Sollte es Jemanden geben (vielleicht sogar aus dem Bereich Bielefeld-Windelsbleiche/-Senne), der sich vorstellen kann, Piet und sein Pflegefrauchen dabei regelmäßig zu unterstützen freuen wir uns sehr über einen Anruf unter 0521 40601.

Update 28.03.2022

“Lange nichts von Piet gehört …. 🤨 ” – das denken bestimmt viele seiner Freunde und Paten. Es gab auch lange Zeit eigentlich nichts zu berichten außer, dass es ihm gut geht, er sein Leben auf seine Weise genießt, gerne draußen im Garten liegt und seine Plüschteddys durch die Gegend trägt und liebevoll durchkaut. Dank seiner Medikamente sind seine Anfälle zwar nie komplett verschwunden, Piet kam aber gut damit zurecht.

In diesem Jahr – Piet ist nun 7,5 Jahre alt – haben sich sein Verhalten und die Art seiner Anfälle jedoch sehr verändert. Die Medikamente zeigen nicht mehr die gewünschte Wirkung, seine Anfälle häufen sich und sie werden schlimmer. Piet kommt mittlerweile nahezu gar nicht mehr in den Tiefschlaf, weil er dann sofort in einen Anfall übergeht in dem er zuckt, aufspringt, schreit, bellt, sich in etwas verbeißt und planlos herumläuft.

Ein CT von Piets Gehirn konnte uns keine Erklärung für diese drastische Verschlechterung liefern, deshalb geht es heute noch einmal in die Tierärztliche Hochschule Hannover in die Neurologie – in der Hoffnung, dass es noch Möglichkeiten gibt um ihm zu helfen.

Wir sind alle sehr gespannt, drücken Piet die Daumen und hoffen auf gute Nachrichten.

Update 05.04.2022

Wie versprochen kommen hier Neuigkeiten zu Piets Besuch in der Neurologie der tierärztlichen Hochschule Hannover:

Die Ärzte dort hatten schon vorab Unterlagen, MRT- und CT-Bilder, sein Anfall-Tagebuch und Videos seiner Anfälle vorliegen, trotzdem wurde er in der Uniklinik nochmal ganz genau untersucht und komplett “auf den Kopf gestellt”. Auch auf den Bildern des aktuellen CTs ist weiterhin deutlich die Stelle sichtbar, an der er damals als Welpe im Zuge der Misshandlungen einen Schädelbruch davongetragen hat.

Piet leidet vermutlich unter einer sogenannten chronischen traumatischen Enzephalopathie. Beim Menschen ist diese vor Allem als “Boxer-Demenz” bekannt, weil sie häufig bei Boxern, Football-Spielern und anderen Sportlern, aber auch bei Soldaten auftritt. Dabei handelt es sich um eine fortschreitende nervenzerstörende Gehirnerkrankung mit Eiweißablagerungen als Folge von einem Schädel-Hirn-Trauma und/oder wiederholten Gehirnerschütterungen. Bei Hunden ist diese Erkrankung bislang kaum erforscht. Piets REM-Schlaf-Störung, sein ungewöhnliches Verhalten und die motorischen Probleme sind wohl Folgen dieser Enzephalopathie.

Eine Heilung gibt es für Piet nicht. 😔 Aber wir haben durch den Besuch in Hannover nun ein großes Paket neuer Optionen, mit denen sich die Häufigkeit der Anfälle und seine Schlaf- und Lebensqualität verbessern lassen können.

So wie bisher werden seine Anfälle auch weiterhin ganz genau dokumentiert und seine Tagesabläufe so kontinuierlich wie möglich gestaltet. Sein Schlafplatz wird noch einmal umgebaut, um ihn noch besser vor Selbstverletzung während eines Anfalls zu schützen. Physiotherapie soll ihm helfen, seinen verkrampften Körper zu entspannen und durch Übungen seine Selbstwahrnehmung verbessern. Kognitive Übungen und Entspannungsübungen sollen sein Gehirn auf Trab halten, Ängste nehmen und die Stress-Resilienz steigern. Anhand aller Unterlagen / Aufzeichnungen konnten die Ärzte herausfinden, welches Medikament ihm in den letzten sieben Jahren am längsten und besten geholfen hat. Zusätzlich bekommt er neue Nahrungsergänzungsmittel und – ganz neu – in Tablettenform das körpereigene “Schlafhormon” Melatonin. Melatonin ist im Körper an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt und soll ihm helfen, schneller über die REM-Schlaf-Phase hinaus in den Tiefschlaf zu gelangen, damit er endlich mal wieder richtig schlafen kann und schneller durch die “gefährliche” Traumphase kommt.

Piet hat alles tapfer gemeistert und war am Ende des Tages ziemlich fertig von all der Aufregung. Mittlerweile ist aber alles wieder in Ordnung und Piet in seinem normalen Alltags-Trott. Und noch viel besser:

Piet hat heute Nacht und jetzt gerade eben zum ersten Mal seit Langem wirklich tief und anfallsfrei geschlafen. Das freut uns ganz unglaublich!!!

Wir bedanken uns ganz herzlich für Eure Unterstützung und die gedrückten Daumen und halten Euch weiter auf dem Laufenden.

Da durch die Versorgung unserer Dauerpflegehunde ständig und vor Allem langfristig hohe Kosten für die medizinische Versorgung, Medikamente, Spezialfutter usw. anfallen, freuen wir uns ganz besonders über jeden Cent, mit dem Sie unsere besonderen Dauer-“Notfelle” unterstützen und uns so dabei helfen, sie dauerhaft optimal zu versorgen.

Wenn Sie an einer längerfristigen (Futter-) Patenschaft oder regelmäßigen Spenden für einen bestimmten Hund interessiert sind, melden Sie sich gerne direkt per Telefon bei uns unter 0521 / 40601 oder per Email an kontakt(at)hundenothilfe-owl.de um gemeinsam alles Weitere persönlich zu besprechen. Auf Wunsch wird selbstverständlich eine Spendenquittung ausgestellt.


https://www.youtube.com/watch?v=BDl_ejUqjKc