Lina

Die kleine Lina eroberte bei Ihrer Ankunft im Herbst 2013 sofort die Herzen der Pflegeeltern. Die süße Hündin wurde zusammen mit ihren Geschwistern in einem Schuhkarton „entsorgt“, glücklicherweise aber von einer befreundeten Tierschützerin aufgenommen und versorgt bis sie zu uns kam. Lina hatte von Anfang an ihren ganz eigenen Charme, liebte Menschen, kam mit jedem Hund prima aus und wickelte jeden Zwei- und Vierbeiner blitzschnell um den Finger bzw. die Pfote. Auch mit Kindern und ihren Hundefreunden hatte sie riesengroßen Spaß und tobte was das Zeug hielt. Augenscheinlich sah man einen lebensfrohen, verspielten, frechen Welpen, der kerngesund, fit und munter war. Eine kleine Terrier-Mix-Hündin mit Hummeln im Hintern und einer Nase, die ständig in Bewegung war. Auch heute noch sieht und merkt man ihr oft kaum etwas von ihrer Erkrankung an, wenn man es nicht weiß.

Doch dieser Schein trügt leider.

Eigentlich sollte Lina im Zuge der Grundimmunisierung nur eine Nachimpfung bekommen. Bei der Routineuntersuchung vor der Impfung wurde jedoch ein auffälliges Herzgeräusch durch die Tierärztin festgestellt. Auch eine zweite eingeholte Meinung in einer Tierklinik bestätigte dies und von beiden Ärzte wurde der Besuch eines Spezialisten empfohlen. Schnell bekam Lina einen Termin bei einem Kardiologen in Hannover, um einen Herzultraschall machen zu lassen und so eine eindeutige Diagnose zu bekommen. Das Ergebnis fiel leider katastrophal aus. Linas Diagnose lautete: Angeborene hochgradige valvuläre und subvalvuläre Pulmonalstenose im erweiterten Stadium mit zusätzlicher Vergrößerung einer Herzkammer, Herzwandverdickung und Klappeninsuffizienz. Ihre Lebenserwartung ohne Behandlung lag bei weit unter einem Jahr, ihr Sekundentodrisiko war enorm hoch und theoretisch hätte sie schon bereits im Vorfeld jederzeit einfach mitten im Spiel tot umfallen können.

Was bedeutet Pulmonalstenose?

Eine Pulmonalstenose ist ein relativ seltener vererbbarer Herzdefekt. Hierbei befindet sich von Geburt an eine Verengung/Verklebung an einer der vier Herzklappen, der so genannten Pulmonalklappe. Durch diese Engstelle muss das Blut mit enorm hohem Druck vom Herzen aus weiter in die Lunge gepumpt werden. Linas Herz lief durch diesen Druck praktisch rund um die Uhr auf Hochtouren und der Herzmuskel veränderte und vergrößerte sich durch die Dauerbelastung so unbemerkt immer weiter.

Genauere Details zur Erkrankung finden Sie bei Interesse z.B. hier ->
https://tierarzt-nidderau.de/pulmonalstenose/

Nach der Diagnose war klar, dass es kaum absehbar war, ob Lina überhaupt ihren ersten Geburtstag überleben würde. Genau so schnell war klar, dass die kleine Hündin bis an ihr Lebensende (auch wenn es vielleicht schon bald soweit war) bei ihren ehemaligen Pflegeeltern bleiben darf.

Neben unterstützenden Medikamenten war Linas einzige Chance auf Leben eine Operation am Herzen. Bei dieser sollte in einem minimalinvasiven Kathetereingriff (Ballondilatation) die Engstelle aufgesprengt werden, um den Druck zu verringern und so ihr Herz zu entlasten.
Auf Empfehlung der Kardiologen wurde diese Operation im Januar 2014 in der Kleintierklinik der Universität Gießen durchgeführt. Auch wenn Lina niemals ein gesunder Hund sein wird, war die Operation doch ein großer Erfolg. Der Druck im Herzen konnte deutlich reduziert werden und aus der hochgradigen Pulmonalstenose wurde eine mittelgradige Stenose, die zusammen mit täglicher Medikamentengabe bis heute weitgehend stabil ist. Der Verlauf der Erkrankung wird ein- bis zwei Mal jährlich in der Kardiologie der Uniklinik Gießen kontrolliert.

Linas OP-Tagebuch aus der Zeit vor und nach dem Eingriff 2014 finden Sie bei Interesse hier–>  Sorgenkind Lina

Als wäre die Herzerkrankung noch nicht schlimm genug, stellten sich jedoch im Laufe der Zeit noch weitere gesundheitliche Probleme ein. Zu einer beidseitigen Patellaluxation und immer wiederkehrenden Magenproblemen mit Phasen, in denen sie kaum etwas fressen wollte, gesellten sich nach anderthalb Jahren merkwürdige Kreislaufzusammenbrüche und neurologische Symptome. In der einen Sekunde war Lina ein fitter Terrier, in der anderen Sekunde ein kleines, eiskaltes schlaffes Häufchen Elend mit Untertemperatur, kaum messbarem Puls, nahe der Bewusstlosigkeit. Bis zum Januar 2017 ist sie dem Tod mehr als ein mal gerade noch so von der Schippe gesprungen. Zusätzlich wurde Lina zusehends ängstlicher und unsicherer, sah „Gespenster“, verbellte Hunde, Menschen und Verkehrsschilder, die ihr nicht geheuer waren, sie vergaß innerhalb von Sekunden welche Menschen zusammen mit ihr in der Wohnung waren, hielt Stehlampen für Personen, bekam merkwürdige Heißhungerattacken und zuletzt kamen noch epilepsieähnliche Krampfanfälle hinzu. Den Ärzten vor Ort und an der Uniklinik in Gießen waren Linas Symptome ein Rätsel, da schnell ausgeschlossen werden konnte, dass sie von ihrem Herzfehler kommen.

Nach einer langen und kostenintensiven Odyssee von Untersuchungen wurde eher zufällig festgestellt, dass Lina anscheinend an einer äußerst seltenen, vererbbaren Speichererkrankung (Imerslund-Gräsbeck-Syndrom) leidet. Ihr Körper kann das lebensnotwendige Vitamin B12 nicht richtig aufnehmen und speichern, sie leidet praktisch schon seit wenigen Monaten nach ihrer Geburt dauerhaft an einem starken B12-Mangel, der für viele ihrer Symptome verantwortlich sein konnte.

Nach einer Aufbaukur bekommt Lina seit Anfang 2017 nun alle vier Wochen eine Depot-Spritze mit dem Vitamin B12 und ihre Blutwerte werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Seit der Spritzengabe geht es ihr deutlich besser und viele der merkwürdigen Symptome sind mittlerweile verschwunden. Trotzdem bekommt sie nach wie vor in unregelmäßigen Abständen Kreislaufzusammenbrüche, die sich selbst die Spezialisten der Kleintierklinik an der Uni Gießen nach wie vor nicht erklären können. Bei Zusammenbrüchen stärkerer Ausprägung ist ihr Körper in der Zeit bis die Notfallmedikamente anschlagen oder ihr in der Tierarztpraxis geholfen werden kann, leider nur schlecht durchblutet und deshalb unterversorgt mit Sauerstoff. Bedingt dadurch sind leider einige kleine Verhaltensänderungen dauerhaft zurückgeblieben, die sich aber nur selten mal zwischendurch bemerkbar machen.

Lina ist eine echte Kämpferin. Sie schlägt dem Tod nun schon seit über fünf Jahren ein Schnippchen und ist trotz Allem ein lustiger, lebensfroher Hund geblieben. Ein Hund, der zwar einerseits gerne lange schläft und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, andererseits aber nichts schöner findet als durch Wald und Flur zu stromern, Mäusen hinterherzuschnüffeln, sich in Hasenköddeln zu wälzen, ihre zerfledderte Quietschmaus zu apportieren oder neue Tricks zu lernen. Nach einigen unglücklichen Begegnungen mit aufdringlichen Hunden, entscheidet sie bei unbekannten Artgenossen nach Sympathie, ob ihr Gegenüber zum Spiel aufgefordert oder aber durch „pöbeln“ vertrieben wird. Trotzdem ist sie generell verträglich und liebt ihre Hunde- und Menschenfreunde bedingungslos. Und freut sich immer über neue Hundefreunde in ihrer Größe. 😉

Wir werden versuchen, so oft es geht, von ihr zu berichten und halten Sie gerne auf dem Laufenden.

Da durch die Versorgung unserer Dauerpflegehunde ständig und vor Allem langfristig hohe Kosten für die medizinische Versorgung, Medikamente, Spezialfutter usw. anfallen, freuen wir uns ganz besonders über jeden Cent, mit dem Sie unsere besonderen Dauer-„Notfelle“ unterstützen und uns so dabei helfen, sie dauerhaft optimal zu versorgen.

Wenn Sie an einer längerfristigen (Futter-) Patenschaft oder regelmäßigen Spenden für einen bestimmten Hund interessiert sind, melden Sie sich gerne direkt per Telefon bei uns unter 0521 / 40601 oder per Email an kontakt(at)hundenothilfe-owl.de um gemeinsam alles Weitere persönlich zu besprechen. Auf Wunsch wird selbstverständlich eine Spendenquittung ausgestellt.